Knabenkapelle

Die Knabenkapelle Nördlingen wurde im Jahre 1924 als städtische Einrichtung gegründet. Am 1. August 1924 beschloss der Stadtrat, für 500 Dollar, die der nach Amerika ausgewanderte Fabrikant Oskar Mayer großzügig gespendet hatte, Musikinstrumente und historische Uniformen zur Ausrüstung einer Knabenkapelle anzuschaffen. Initiator der Kapelle (damals noch Jugendkapelle genannt) war der damalige 1. Bürgermeister Dr. Otto Mainer, ein musikbegeistertes Stadtoberhaupt. Erster Kapellmeister war Nicol Dittmar, ein hervorragender musikalischer Pädagoge und väterlicher Freund seiner Buben. Die erste öffentliche Bewährungsprobe war das Stabenfest 1925, ein alljährliches, beliebtes Kinder- und Volksfest in Nördlingen. Mit klangvollem Spiel marschierten die Buben in ihren prächtigen Kostümen, die den Uniformen der Stadtsoldaten aus dem 17. Jahrhundert gleichen, durch die Straßen: in rotweißen Strümpfen, blauen Pluderhosen mit goldenen Knöpfen, das hellbraune Wams mit dem Adler der Freien Reichsstadt auf der Herzseite, weiße Kragen und Manschetten und schließlich mit einem grauen Hut, geschmückt mit roten und weißen Federn. Bei der Uraufführung der Nördlinger Tanz- und Festspiele am 28. Juli 1925 hatte die Knabenkapelle ihren nächsten großen Auftritt. Danach folgten Auftritte bei vielen Großveranstaltungen und Reisen nach Augsburg, Füssen, Schwäbisch Hall, Stuttgart, Nürnberg und München sowie Live-Auftritte im Rundfunk. Die politischen Veränderungen in den 30iger Jahren machten auch vor der Jugendkapelle nicht halt. Sie musste ab 1933 auch die Aufgabe des Bannmusikzuges übernehmen und war ab 1942 ausschließlich Bannmusikzug. 1949 verstarb der Mitbegründer und langjährige Musikdirektor Nicol Dittmar. Im Jahre 1948 wurde die Jugendkapelle wieder gegründet. Ihr musikalischer Leiter wurde Musikdirektor Viernickel, ein ehemaliger Schüler von Nicol Dittmar. In der äußerst schwierigen Zeit ging er engagiert daran, Instrumente zu beschaffen, die 40 Mitglieder auszubilden und zu einem Orchester zu formen. 1949 übernahm der wieder gegründete Verein Alt Nördlingen die Betreuung der Jugendkapelle. Nachfolger für den im Jahre 1951zur Stadt Aalen gewechselten Musikdirektor Viernickel wurde 1952 Fritz Walter, der bereits von 1931 bis 1934 Mitglied der Knabenkapelle war. Fritz Walter, ein ausgezeichneter Musiker, Komponist und Arrangeur, formte und prägte die Knabenkapelle drei Jahrzehnte lang. Er pflegte weiter die traditionelle Blasmusik und förderte darüber hinaus auch die konzertante Musik. Er erweiterte aber nicht nur die musikalische Palette, sondern ging mit dem Verein Alt Nördlingen und später mit Herrn Löhmann von der Stadtverwaltung daran, die Jugendkapelle und auch die Stadt Nördlingen in vielen europäischen Ländern bekanntzumachen. 1960 wurde die Kapelle Mitglied im Allgäu-Schwäbischen Musikbund, 1964 wurde aus der Jugendkapelle die Knabenkapelle und 1969 ging die Trägerschaft wieder auf die Stadt Nördlingen über. Nach 30-jährigem musikalischen Wirken übergab Fritz Walter 1982 den Taktstock an seinen Nachfolger Georg Winkler, der in hervorragender Weise die Arbeit seiner Vorgänger fortsetzt und darüber hinaus der Kapelle viele neue Impulse gibt. Bereits nach wenigen Jahren hatte sich der Name "Nördlinger Knabenkapelle" weit über die Grenzen Bayerns hinaus verbreitet. Viele Einladungen, besonders aus größeren Städten, trafen ein. Die Knabenkapelle wurde in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zum musikalischen Botschafter der herrlichen alten Reichsstadt an der "Romantischen Straße" in ganz Europa. Es ist nicht abzuschätzen, wie viele Menschen, darunter Persönlichkeiten aus der Politik, der Wirtschaft und der Kirche, der Knabenkapelle zugehört haben und ihr Beifall zollten.

Die jungen Musiker spielten z. B.
- für S. H. Papst Paul VI
- für S. H. Papst Johannes Paul II.
- für S. H. Papst Benedikt
- für Prinz Charles und Lady Di
- für Politiker von Reichsaußenminister Dr. Stresemann über Bundespräsident Heuss und Bundeskanzler Brandt, Bundestagsvizepräsidentin Süßmuth, die Bayerischen Ministerpräsidenten Held, Goppel, Strauß, Streibl und Stoiber, die Bundesminister Waigel und Krause, den Bezirkstagspräsidenten Simnacher sowie für viele Bayerische Staatsminister, vor allem für den Ehrenbürger der Stadt Nördlingen Staatsminister Anton Jaumann, für Bundespräsident Horst Köhler, für den russischen Präsidenten Wladimir Putin,
- für Ministerpräsidenten der Alpenländer
- für die Bürgermeister der Städte Chicago, Adelaide, Wagga Wagga
- bei bedeutenden Sportveranstaltungen wie bei der Eröffnung des Olympischen Kanuwettbewerbes in Augsburg, bei den Fußball-Länderspielen Bundesrepublik gegen Bulgarien, gegen die Niederlande und die UdSSR, bei der Unicef-Fußball-Gala des Weltmeisters Deutschland gegen die FIFA-Weltauswahl, beim Europapokalspiel FC Bayern gegen Benfica Lissabon und beim Turnländerkampf Bundesrepublik Deutschland - UdSSR. Im Jahr 2009 führte die Knabenkapelle den Trachten- und Schützenzug zur Eröffnung des Münchner Oktoberfestes an. Konzertreisen in Europa, den Staaten, Kanada, Japan und Australien und regelmäßige Rundfunkauftritte sorgten dafür, dass die Knabenkapelle heute zu den besten Werbeträgern der Stadt Nördlingen gehört. Seit ihrer Gründung erhielten mehrere hundert Buben nicht nur eine hervorragende musikalische Ausbildung, sondern wuchsen beim gemeinsamen Spiel, bei ihren Auftritten und Reisen als Team zusammen. Derzeit gehören zum Großen Blasorchester ca. 70 Jungbläser. Neben dem Orchester besteht ein Trommlerkorps und ein Vorstufenorchester.

Der Knabenkapelle standen seit der Gründung vier Kapellmeister vor:

1924 - 1946 Nicol Dittmar
1948 - 1952 Bruno Viernickel
1952 - 1982 Friedrich Walter
seit 1982 Georg Winkler