Trap


Guido Weggenmann (*1980)
Trap, 2014
Stahl, geschweißt, lackiert, 500 x 600 x 140 cm
Kostenlose Leihgabe an die Stadt Nördlingen

In einem leuchtenden Orangerot gestrichen hebt sich die Großplastik vom Grün des Nördlinger Stadtgrabens ab. Das Werk erinnert an etwas. Abgeschaut hat sich der Künstler seine Form von einer alten originalen alpenländischen Bärenfalle, was ihr in der Öffentlichkeit ihren Spitznamen eingebracht hat.

Bären- und andere Tierfallen sind eigentlich unauffällig. In Natur- oder matten Farben gehalten, mitunter im Gebüsch oder Laub versteckt, warten diese Geräte darauf, unliebsame Eindringlinge tierischer Art zu fangen. Die Auseinandersetzung mit dem spannungsvollen Verhältnis von Mensch und (wildem) Tier ist in Zeiten von Klimawandeln und Artensterben essentiell. Wie begegnen wir beispielsweise Tieren – Wölfen, Bären – die zurück in unsere Wälder finden?

Guido Weggenmanns „Trap“ setzt sich mit dieser Frage auseinander, indem sie ganz und gar nicht unscheinbar daherkommt. Versteckt im Nördlinger Stadtgraben ist die Skulptur doch nicht zu übersehen. Sie greift in ihrer Formsprache ebenso wie in ihrer monumentalen Anmutung die Struktur einer Festung auf - erinnert kreisrund vielleicht auch an die Stadtmauer. Überdimensioniert und knallig lackiert sticht sie ins Auge. Durch diese Stilmittel werden Betrachterinnen und Betrachter auf der einen Seite dazu herausgefordert, sich mit der Bedeutung des scheinbar Banalen auseinanderzusetzen. Zum anderen ist die überlebensgroße Umsetzung auch ein Angriff auf den althergebrachten Herrschaftsanspruch von Kunst im öffentlichen Raum. Plastik im Außenraum war historisch oft Vehikel zur Demonstration von Macht. Statt einer bronzenen Herrscherstatue eine riesige, umgestülpte Eistüte wie bei der Pop Art oder eben eine überdimensionierte neonfarbene Tierfalle an einem öffentlichen Ort auszustellen, bricht somit deutlich mit dem Gestus der Mächtigen und führt hier zu der Überlegung, wer wem da wohl in die Falle (engl. trap) gehen soll.

Auch ermuntert die Skulptur dazu, Fragen zu stellen:
Wie lebten Mensch und Tier einst in unserer Stadt zusammen?
Wie ist unser Verhältnis zu (wilden) Tieren heute?
Welche sind die Formen und Farben unserer Stadt?
Was bedeutet für uns Kunst im öffentlichen Raum?